Mass Customization 2.0

Mass Customization 2.0

„3D Printing offers capabilities that traditional machines don`t. One of the top motivators for implementing 3D printing is the ability to mass produce customized products. While customization with traditional machines might require new cast or mold with each new product, 3D printers can manufacture each product differently depending on the program its given significantly increasing efficiency and decreasing cost.“ 1

Als Henry Ford 1908 mit der Erfindung des Fließbandes die Autoindustrie revolutionierte, konnte er wohl kaum ahnen, welchen Einfluss er damit auf die Entwicklung der Massenproduktion in der gesamten Industrie haben sollte. Mithilfe der Fließbandproduktion ließen sich kostengünstig und schnell viele gleiche Teile herstellen und Arbeitsabläufe optimieren. Als dann Anfang der 1970er Jahren der erste kommerzielle Roboter „Unimate“ der Firma Unimation Inc. in den Produktionsablauf von General Motors mit eingebracht wurde, war der erste Schritt zur automatisierten Massenfertigung getan. Dort erledigen diese bis heute in den meisten Fällen repetitive Prozesse, die dem Menschen abgenommen wurden, weil diese zu schwer bzw. zu gefährlich waren oder mithilfe der Roboter kosteneffizienter durchgeführt werden konnten. So konnten die Anforderungen der Kunden an Variantenflexibilität durch Einbringen von Robotern mit dem technischen Fortschritt immer weiter optimiert werden.

Auch Charles und Ray Eames legten schon Anfang des 20. Jahrhunderts bei der Entwicklung ihres Fiberglass Chairs viel Wert auf eine möglichst große Farbvielfalt, um durch die Individualisierbarkeit größere Absatzmärkte zu erreichen. Bis in die 1950er Jahre war Fiberglas, welches eines der wenigen für die Massenfertigung ihrer Stühle geeigneten Materialien war, nur farblos verarbeitet worden. Die beiden Architekten entwickelten eine farblich anpassbare Sitzschale, die für die Serienproduktion des Stuhls geeignet war. Dieser wurde auf Grund der Anpassbarkeit für die verschiedensten bereits vorhandenen oder neuen Räumen zu einem der bekanntesten Möbelklassiker des 20. Jahrhunderts.

Ein weiterer Schritt in die Richtung des weltweiten Phänomens Mass Customization sollte das im März 1998 vom finnischen Unternehmen Nokia herausgebrachte Nokia 5510 sein. Dieses Mobiltelefon zeichnete sich durch eine austauschbare Rückseite, das „Xpress-On Cover“ aus. Das Cover war in vielen verschiedenen Farben erhältlich und die Werbebotschaft von Nokia war: „Mach das Telefon so einzigartig wie du bist“. Mit 39 Millionen verkauften Einheiten und 160 Millionen verkauften Geräten des Nachfolgemodells Nokia 3210 bestätigte sich die Idee. Jeder Mensch wollte sich einzigartig fühlen, anderen seine Individualität zeigen und das sollte auf alle Lebenslagen projiziert werden – Schuhe, Laptops und Autos. Man könnte sagen, dass Mass Customization im Mobilfunkmarkt die breite Masse erreichte. Das Smartphone hat mittlerweile die alten Mobiltelefone verdrängt und neben verschiedenen Farben und Hüllen ist jedes Smartphone mittlerweile besonders durch Millionen von verfügbaren Apps nach eigenen Bedürfnissen anpassbar. Die Personalisierung ist von außen nach innen gewandert. Der Automobilkonzern Opel zeigt mit dem über 100.000 mal verkauften Modell Adam, dass mit seinen knapp 82.000 Varianten für den Innen- und 61.000 für den Außenraum fast 4 Milliarden verschiedene Kombinationen bietet, wie wichtig Verbrauchern Individualität ist und soll beträchtlich dazu beitragen, den Autohersteller bis 2020 wieder in die Profitabilität bringen.3,4

Was wäre jedoch, wenn man sich nicht nur die Farbe oder eine gewisse Ausstattung, sondern ganze individualisierte Objekte einfach, kostengünstig und in kürzester Zeit herstellen lassen könnte und dann auch noch komplett recycelbar? Diese Möglichkeiten sind seit der vergangenen Dekade durch parametrisches Entwerfen und die Tools der digitalen Fabrikation gegeben. Ein 3D-Drucker kann dank digitaler Entwurfstools als Werkzeug, das nicht für Massenproduktion, sondern für individualisierte Massenfertigung genutzt werden soll, einfacher angesteuert werden denn je. Mit parametrischen Entwurfstools lassen sich komplexe Entwürfe von Architekten und Designern verständlich in Maschinencodes übersetzen. Sie bieten somit die Voraussetzung, nicht nur Produkte in verschiedenen Farben, sondern ganze individualisierte Produktserien herzustellen. Diese Weiterentwicklung hin zur inneren, strukturellen Personalisierung eines oberflächlich bereits massenindividualisierten Produktes könnte man als Mass Customization 2.0 bezeichnen.

Geschrieben von Moritz Wesseler, Bachelorthesis 2018


Quellen:

1 KUKA Robotics USA on Instagram (2018). [online] Instagram. Abgerufen am von: https://www.instagram. com/p/BltOv1YgNbY/?utm_source=ig_web_copy_link [Zugegriffen 12 Aug. 2018].

2 O A, (2018). [online] Muenchner-wissenschaftstage.de. Abgerufen am von: https://www.muenchner-wissen-schaftstage.de/mwt2004/content/e160/e707/e728/e751/filetitle/Jacob_ger.pdf [Zugegriffen 12 Aug. 2018].

3 O A, (2018). [online] Focus.de. Abgerufen am von: https://www.focus.de/auto/news/autoabsatz/opel-chef- sieht-wende-100-000-bestellungen-opel-adam-wird-zum-verkaufsschlager_id_4072150.htm [Zugegriffen 6 Aug. 2018].

4 How Big Data is Driving the Next Wave of Mass Customization. (2018). [online] Datafloq.com. Abgerufen am von: https://datafloq.com/read/Big-data-driving-next-wave-mass-customization/944 [Zugegriffen 12 Aug. 2018].